Fachgemeinschaft Deutsch an der Oberstufe

Für uns Lehrer ist es das schönste Gefühl, wenn unsere Schüler davon Rechenschaft geben, welche Fortschritte sie in den vergangenen Jahren gemacht haben und sie uns zeigen, dass sie interessiert sind.

Die folgenden Schülerarbeiten haben uns allen das Herz erwärmt und uns mit Stolz erfüllt.

Maria Frey Leiterin


Großvater erzählt über seine Jugend


Leider Gottes starb meine Großmutter schon ganz früh, ich kannte sie nicht einmal. Deshalb schreibe ich hier lieber über meinen Großvater. Immer wenn wir ihn besuchen, erzählt er uns sehr gerne über seine Jugend, über seine Kindheit. Er hat immer einige spannende Geschichten auf Lager. Mein Bruder und ich hören ihm deshalb sehr gerne zu, mit seinen Storys bringt er uns immer noch zum Lachen. Das Beste daran ist, dass wir ihn gar nicht dazu zwingen müssen, ihm macht es äußerst Spaß, uns etwas zu erzählen. Egal, ob traurige oder spannende Geschichten, wir amüsieren uns immer sehr gut. Doch am liebsten erzählt er uns über einen ganz besonderen Tag.
Wir schreiben das Jahr 1958. Es ist Winter, ein sehr strenger Winter. Es schneit stark und es ist ziemlich kalt draußen. Wir sind in Baja/ Frankenstadt, wo mein Großvater aufgewachsen ist, wo er seine Kindheit verbrachte. Die ganze Familie wohnt hier, sie zog aus Bayern hierher. Mittlerweile ist Großvater ein 18 Jahre alter Bursche. An diesem Tag musste er ganz viel arbeiten. Am Abend dachte er, die meisten sind wohl in der Spinnstube, also machte er sich auf den Weg dahin. Wegen des Wetters sah er kaum etwas. Leider kreuzte eine, mit ganz viel Schnee bedeckte tiefe Grube seinen Weg, die er nicht sah. Wie man es sich denken kann, fiel er hinein. Eine Glasscherbe, die auf dem Boden lag, verletzte seinen Unterarm. Die Wunde war nicht allzu tief, aber sie blutete. Großvater verband sie und da sie nicht sehr weh tat, setzte er seinen Weg fort. In der Spinnstube angekommen erfreute ihn sehr, dass alle guter Laune waren. Manche tanzten sogar. Er wollte gerne mitmachen, aber er bemerkte in der Ecke ein besonders schönes Mädchen. —Klar, es war meine Großmutter- damals noch ledig. — Großvater setzte sich neben sie, sprach sie an und sie begannen sich zu unterhalten. Sie waren sich einander sehr ähnlich, sie verstanden sich äußerst gut. (Großvater sagt immer noch ganz oft, er kann es einfach nicht verstehen, wieso er so eine Schönheit erst dann bemerkte.) Großmutter bemerkte seine Wunde und mit den, von ihrer Oma vererbten Heilmethoden versorgte sie sie ganz schnell. Es stellte sich heraus, dass ohne ihre Hilfe Großvater eine Blutvergiftung gekriegt hätte. Also hat Großmutter quasi sein Leben gerettet. Nach diesem Abend verbrachten sie immer mehr Zeit zusammen, sie genossen die Anwesenheit des anderen. Man könnte es auch so sagen: Sie erwärmten sich gegenseitig das Herz im kalten Winter. Als Großvater am 13. Dezember aus 13 verschiedenen Holzarten begann den Luziastuhl zu fabrizieren, war er schon ziemlich "verknallt". Am 15. Dezember bat er um Großmutters Hand an. Sie verbrachten Weihnachten zusammen und absolut glücklich, denn sie sagte, "Ja!". Sie waren also verlobt. Auch Neujahr feierten sie zusammen. In der Faschingszeit heirateten sie dann, denn die meisten Ehen wurden in dieser Zeit geschlossen. Eine wahre Liebesgeschichte. Sollte man verfilmen, meiner Meinung nach.

Nach zwei Jahren ist dann meine Mutter geboren. Sie sagt, ihre Kindheit war wirklich perfekt. Sie war immer glücklich als Kind. Meine Großeltern erzogen sie mit äußerster Liebe und Fürsorge. Großvaters Leben war also voller Abenteuer und Glück. Mein Traum ist es, so zu werden wie er. So weise! Dann kann ich meinen Kindern immer einen guten Rat geben und wirklich spannende, traurige oder eben witzige Geschichten erzählen.


Bence Mohai 8. b