Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen - 19. Januar

Die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn zwischen 1945 und 1948

Die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn ist Teil der Umsiedlung der Deutschen und anderer Minderheiten während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn stand einerseits in den Plänen Hitlers, Großbritanniens, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, andererseits hing sie auch mit der Landreform vom März 1945, den internen Umsiedlungen, den Ansiedlungsproblemen der Szekler aus der Bukowina, der Ansiedlung von ungarischen Flüchtlingen aus Nachbarländern und dem slowakisch-ungarischen Bevölkerungsaustauschabkommen zusammen. Aufgrund der Anfrage der ungarischen Regierung erhielt Ungarn daher neben Polen und der Tschechoslowakei eine Ausweisungsgenehmigung von der Potsdamer Konferenz. Es handelte sich also nicht um eine Vorschrift der Potsdamer Konferenz, sondern um eine Genehmigung ihrerseits.

Auf der Grundlage der Ende Dezember 1945 erlassenen ersten Umsiedlungsverordnung wurden diejenigen zur Aussiedlung verpflichtet, die bei der Volkszählung von 1941 deutsche Nationalität angaben, Mitglieder des Volksbundes oder einer deutschen Streitkraft (SS) waren oder ihren magyarisierten Namen wieder in einen deutsch klingenden Namen geändert hatten.

Am 19. Januar 1946 begann die Vertreibung aus Budaörs in die von den Amerikanern besetzte Zone Deutschlands. Bis zum 1. Dezember 1946 wurden auf der Grundlage der vorhandenen Wagenlisten (die daher nicht als vollständig genau angesehen werden können) insgesamt etwa 120.000 Personen deportiert. Sie wurden in der amerikanisch besetzten Zone Deutschlands, d. h. in Bayern, Württemberg-Baden und Groß-Hessen angesiedelt. Ende 1946 stellten die Amerikaner nach mehreren Unterbrechungen die Aufnahme der Vertriebenen endgültig ein.

In vielen Ortschaften hielten sich jedoch noch immer Personen auf, die zur Aussiedlung verurteilt worden waren, was zu immer größeren sozialen und wirtschaftlichen Spannungen führte, da ab April 1947 auch die Ungarn aus Oberungarn ankamen. Dies wollte man durch die weitere Umsiedlung der Deutschen abschwächen. Nach erfolglosen Verhandlungen mit den amerikanischen Behörden einigten sich die ungarischen Politiker im Sommer 1947 mit der Sowjetischen Militäradministration [SMA] darauf, dass „50.000 Deutsche aus Ungarn in die von den Sowjets besetzte Zone Deutschlands umgesiedelt werden, davon 10.000 im August 1947. […] Der erste Transport wird am 17. August dieses Jahres starten. Die nächsten Züge werden im August alle zwei Tage aus Ungarn abfahren. Im September und Oktober werden monatlich 12–13 Transporte aus Ungarn starten, mit einem Abstand von mindestens 24 Stunden.” So begann am 19. August 1947 die zweite Welle der Zwangsaussiedlung der Deutschen aus Ungarn in Richtung Sachsen.

Im Oktober 1947 trat eine neue Aussiedlungsverordnung in Kraft, die zwar den Kreis der Befreiten erweiterte, aber weiterhin auf dem Prinzip der Kollektivschuld beruhte. Die zur Vertreibung verurteilten Deutschen durften maximal 100 kg Gepäck mitnehmen und fuhren mit Pferdewagen oder gingen zu Fuß zum Abfahrtsbahnhof, wo ein Zug mit 40 bis 45 Güterwaggons auf sie wartete. In jeden Waggon wurden 30 bis 40 Menschen mit ihrem Gepäck gepfercht.

Die Vertreibung wurde im Juni 1948 eingestellt, etwa 50.000 Menschen wurden in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands deportiert, die meisten von ihnen nach Sachsen, etwa 3000 Menschen wurden in Sachsen-Anhalt angesiedelt. Das Lager Graue Kaserne in Pirna war für die Mehrheit der vertriebenen Ungarndeutschen das Aufnahmelager.

Der Ministerrat der Ungarischen Volksrepublik stellte die Vertreibung 1949 offiziell ein. Danach wurden zwischen 1950 und 1953 nur noch etwa 1340 Soldaten, die aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, oder Deportierte, die aus der Malenkij-Robot zurückkehrten, in die DDR gebracht, deren Familien inzwischen umgesiedelt worden waren.

Ein Teil der Vertriebenen konnte sich nicht mit der neuen Situation abfinden und floh aus verschiedenen persönlichen Gründen bereits wenige Monate nach Beginn der Vertreibung auf abenteuerlichem und gefährlichem Wege zurück nach Ungarn. Die Zahl der Rückkehrer kann auf mindestens 8.000 bis 10.000 geschätzt werden. Auch viele der Zurückgebliebenen glaubten, dass dies nicht endgültig sein würde und sie bald nach Ungarn zurückkehren könnten, aber diese Vorstellung verschwand nach der Revolution 1956 endgültig.